Springe zum Inhalt

Lufttänze und Landemanöver

Quelle: Böhme-Zeitung vom 7.September 2023

Auf dem Flugplatz der Cumulus-Modellflieger entwickelt sich schnell Freude an diesem Hobby

VON BERNHARD KNAPSTEIN

Marbostel. Über dem Marbosteler Flugplatz der Cumulus-Modellflug-Piloten steht kein einziges Wölkchen. Ein guter Grund für viele Vereinsmitglieder, den herrlichen Tag mit ihren Modellen auf dem Areal zu verbringen. Rund zehn Modelle von Segelflugzeugen, Elektromotor- und Benziner-Modellen stehen am Rande des Flugplatzes und warten auf ihren Start, ein anderer Flieger surrt durch die Luft. Die Sicht geht frei in den Himmel, und der Horizont wird nur durch umliegende Maisfelder und Wald begrenzt. Der aufgeblähte rot-weiß gestreifte Windsack über dem Grün zeigt einen die Landesbahn kreuzenden Wind an. „Für Start- und Landemanöver haben wir am liebsten Gegenwind“, erklärt Andreas Keil. Doch schnell wird klar, den Profis ist an diesem Tag eigentlich egal, aus welcher Richtung der Wind weht – gestartet und gelandet wird auch bei kreuzendem Wind. Am Himmel zieht ein Styropor-Flugzeug mit Elektromotor seine Kreise. Ein Milan zeigt Interesse und nähert sich dem Flugzeugmodell, zieht ein, zwei Bahnen parallel mit dem „Kollegen“ mit und entfernt sich dann wieder Richtung Bergen. „Das ist hier normal“, erklärt Keil. „Die Vögel beobachten und fliegen dann weiter.“ Doch auch das Wild am Boden zeigt sich. Ungeachtet des Benzinmotorgeräuschs eines Schleppflugzeugs mümmelt ein Feldhase auf einer Brachfläche zwischen Mais und dem Flugplatz vor sich hin. Am anhänglichsten sei ein Dachs, lacht Arnold Thielen, zweiter Vorsitzender des Vereins. Der sei ein Dauergast im Umfeld der Baracke der Modellflug-Piloten. Wenn der Mais abgeerntet sei, sehe man auch Rehe, so Thielen.
Keil und Thielen bereiten einen einen Segelflug vor. Um das Segelflugzeugmodell in die Luft zu
bekommen, wird es an ein Modell eines Schleppflugzeugs angehängt. „Das funktioniert wie im Großen, sowohl der Schlepper als auch der Segelflugpilot können das Schleppseil ausklinken“, erklärt Keil. Die beiden Männer haben jeweils ein Steuerungsgerät vor sich. Thielen steuert den Schlepper, Keil den Segler „I am ready“, gibt Keil an. Und für alle Kollegen am Flugplatz hörbar verkündet Thielen den „Start!“, dann gibt er Gas. Das Gespann rollt an und hebt nach wenigen Metern auch ab. Gut koordiniert steigen die beiden Modelle in die Luft und gewinnen rasch an Höhe. Nach dem Ausklinken zieht Keil mit seinem Modell seine Runden, während Thielen das Schleppflugzeug butterweich wieder auf dem Grün landet. Zehn Minuten später landet auch Keil sein Modell wieder. Dann darf der blutige Anfänger ran. „Ich bin bei der Luftwaffe als Flieger registriert“, erntet der noch mit dem Verweis auf den niedrigsten Rang in der Teilstreitkraft die Lacher der Profis, bevor er die Steuerung in die Hand bekommt. Das Modell ist ein mehrfach reparierter Motorsegler aus Styropor. Die Klebestellen zeigen, der betagte Übungsveteran bereits ein paar Bruchlandungen hinter sich hat. Bruchlandungen passierten eher selten, berichtet Keil. Aber wenn man in den Feldern suchen müsste, dann sei der Verein auch gut versichert, sollte etwa Feldfrucht in Mitleidenschaft gezogen werden. Auch an diesem Tag wird es zu keiner Bruchlandung – oder „Stecklandung“, wie Thielen lachend anfügt – kommen. Start und Landung übernimmt Keil, dessen Steuerung der Steuerung des Schülers vorgelagert ist, sodass er jederzeit eingreifen kann, sollte der Laie übersteuern oder andere Manöver ausüben, die das Gerät gefährden. „So, und jetzt machen Sie
noch einen Looping“, fordert Keil seinen Schüler heraus. Einen Moment später nimmt das Modell im Sinkflug etwas Fahrt auf, um dann mit einem Hebelzug an der Steuerung steil nach oben zu ziehen und den gewünschten Looping hinzulegen. Alleine hinbekommen, oder hat Keil eingegriffen?
Der Lehrer schweigt. Nach wenigen Momenten und Kreisen in der Luft, landet Keil den Flieger wieder. „Der Akku hält nur acht bis zwölf Minuten“, erklärt er. Mit einem Segelflugzeug könne man natürlich auch sehr lange in der Luft bleiben. Er habe einmal sein Modell für mehr als vier Stunden in der Luft gehabt. Bekommt man da keine Probleme im Nacken? Ein Liegestuhl auf einer Drehplattform sowie das nette Anreichen von Getränken durch die Kollegen, habe ihm das ermöglicht, lacht Keil. Modelle in verschiedenen Preisklassen Die Mitglieder und Gäste auf dem Flugplatz seien mit ihren Fliegern sehr unterschiedlich aufgestellt. Manch einer habe ein Modell für 200 Euro. „Damit kann man schon gut einsteigen“, kennt Keil die benutzten Modelle. „Andere haben Equipment für mehrere 10000 Euro“, ergänzt Thielen von beeindruckenden Doppeldeckern oder einem Segelflugzeug im Größenverhältnis eins zu zwei. Doch den Modellflug-Piloten geht es nicht so sehr um Werte. „Wir bilden hier auch Modellflugpiloten aus – zwei, drei Schüler haben wir immer“, berichtet Keil. Auch die Ferienpass-Aktion auf dem Flugplatz sei sehr gefragt. Mit dem Gymnasium Soltau habe man Modellbau-Aktionen durchgeführt. Zudem kämen Urlauber vom Südsee-Camp, die den Platz mit nutzten. In Wietzendorf haben der Verein und sein Flugplatz einen guten Ruf. Auch Bundestagsabgeordnete seien schon dagewesen, um sich einen Eindruck über den Verein zu verschaffen. Cumulus habe 40 Mitglieder, vor Corona seien es über 50 gewesen, berichtet der Vorsitzende Helmut Fischer. Statt nach Corona aber wieder neu um junge Mitglieder werben zu können, droht dem Verein nun das Aus. Nach 30 Jahren kämpft der Verein ums Überleben – nicht etwa, weil die Mitglieder weiter aussteigen würden, sondern weil der Pachtvertrag für den Flugplatz gekündigt worden ist. Seitdem die Kündigung vorliege, suche der Vorstand nach einem neuen Flugplatz im Umfeld von Wietzendorf. Bislang ohne Erfolg. Der Vorstand hofft deshalb, dass der Landwirt, der die Fläche benötigt, sich auf eine Verlängerung um ein Jahr einlässt. Immerhin: Der Platz muss zurück-, die Baracke abgebaut werden, ein neuer Platz muss gefunden und angepachtet werden, so denn er aus Sicht der Landesluftfahrtbehörde und der Bundeswehr, die hier auch noch ein gewichtiges Wort mitzureden hat, überhaupt genehmigungsfähig ist. Und das braucht eben Zeit. Zeit, die der Verein derzeit nicht ausreichend hat.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert